Gwalior

Dienstag, 01.04.1997

Für die nächste Strecke nach Gwalior ist Zugfahren angesagt. Der Strabati-Expreß ist ein "Luxus"-Linienzug, der von Dehli nach Bophal fährt. Abfahrtszeit wäre eigentlich 8:15 Uhr. Allerdings hat sich auf der Strecke ein Unfall mit einem Güterzug ereignet, die Strecke ist unpassierbar. Von Zeit zu Zeit wird durchgegeben, wann es jetzt weitergehen soll, bzw. wann die nächste Ansage kommen soll, mit der angekündigt wird, wann es weitergehen soll... Luxuszug bedeutet, daß die Wagen klimatisiert und die Sitze mit einer Art blauem Kunststoff überzogen sind. Es handelt sich um Großraumwagen mit 2 bzw. 3 Sitzen auf jeder Seite. Gegen 11:00 Uhr fahren wir schließlich langsam los. Auf der Strecke müssen wir an einigen Bahnhöfen anhalten, um entgegenkommende Züge durchzulassen. An der Unfallstelle stehen einige Güterwagen auf dem anderen Gleis. Gleisarbeiter bemühen sich mit recht primitiven Werkzeugen um die Reparatur des Gleiskörpers. Schließlich kommen wir doch noch in Gwalior an.
Das Hotel ist das ehemalige Gästehaus des Maharajas. Die Zimmer sind zwar riesig, Ausstattung und Sauberkeit lassen jedoch sehr zu wünschen übrig. Wenigstens haben wir einen Gecko im Zimmer, der uns die Stechmücken vom Leibe hält.

Gwalior
Gästehaus des Maharajas - Usha Kiran Palace
Gwalior
Menschen leben auf einem Bürgersteig inmitten der Stadt

Nach einer Mittagspause fahren wir hoch zum Fort von Gwalior. Auf schmalen und steilen Straße hinauf zum Fort gilt eigentlich Einbahnverkehr, der durch eine Ampel geregelt wird. Da das Telefon zur Koordination nicht funktioniert geschieht es, daß uns kurz vor dem letzten Tor ein PKW entgegenkommt. Der Bus muß halten und schafft es danach nicht mehr, anzufahren. Sicherheitshalber steigen wir aus. Erst dann ist der Bus in der Lage, das letzte Steilstück zu überwinden. Irgendwie ist die Gruppe an diesem Tag ziemlich lustlos, einige sind auch aus Gesundheitsgründen im Hotel geblieben. So bringen wir die Besichtigung des Forts und einiger weiterer einzeln stehender Hindutempel hinter uns, während der Himmel aussieht, als würde es in den nächsten Minuten anfangen zu regnen. Auf dem Berg mit dem Fort befindet sich im übrigen auch eine private Eliteschule.

Gwalior
Außenmauer der Burg von Gwalior
Gwalior
Tempel für die Mutter des Maharajas

Gwalior
Jain-Figuren am Berghang unterhalb der Burg

Ein Teil der Gruppe geht den Weg hinunter zu Fuß, um einen besseren Blick auf die Jainas, riesige in den Fels gehauene Skulpturen zu haben.
Wir schließen den Tag mit dem Besuch eines Ladens und dem Passieren einiger Paläste ab. Der Laden hat nichts besonderes zu bieten und so laufe ich ein Stück die Straße hinunter zu dem dortigen Shiva-Tempel. Am Straßenrand lebt eine Gruppe Menschen auf dem Bürgersteig und im Straßengraben.
Abends nach dem Abendessen entdecke ich im Speiseraum einen Schrank mit Spirituosen indischer Provenienz. Einem der Kellner fällt mein Interesse auf und fragt, ob wir nicht indischen Whiskey probieren wollen. Zu sechst sitzen wir schließlich in einem riesigen Salon und testen indischen Whiskey und Cognac. Der Whiskey ist gar nicht einmal übel.


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Khajuraho

Mittwoch, 02.04.1997

Gwalior
Bahnhof mit Schmalspurlokomotive von 1895

Am Morgen vor der Abfahrt ergibt sich noch die Gelegenheit Geier zu fotografieren, die auf einem Baum im Garten des Hotels sitzen. Auf dem Bahnhof gibt es eine ausgestellte Schmalspurlok und eine Ratte zu fotografieren. Diesmal ist der Zug pünktlich und auch schnell am Ziel, dem kleinen Ort Jhaina, von wo aus wir mit dem Bus zunächst nach Orcha weiterfahren. Dort gibt es, was auch sonst, ein Fort mit zwei Palästen und, allerdings nur von Ferne, einige Tempel zu bestaunen. Bemerkenswert in den Palästen sind die noch sehr gut erhaltenen Malereien. Nach einem etwas hektischen Besuch und dem Einkauf von Cola und Keksen als Mittagessen machen wir uns auf die vierstündige Fahrt nach Kahjuraho. Von der bekomme ich allerdings nicht viel mit, da ich wieder einmal Schwierigkeiten mit meinem linken Auge habe. Ich schaffe es sogar, während der Fahrt die Kontaktlinse auszuziehen und zu verstauen. Zum Glück habe ich die Kontaktlinsenutensilien im Rucksack.


In Khajuraho angekommen sammeln wir zunächst den lokalen Reiseleiter ein. Dabei gibt es zunächst einige Konfusion, da der Reiseleiter mitteilt, daß unser Flug am nächsten Tag später als geplant geht. Andererseits gibt uns das die Möglichkeit die Tempel während des Abend- und des Morgenlichts zu besichtigen. Zusätzlich reißt der Himmel auf und taucht die Tempel in ein warmes Abendlicht. Der lokale Reiseleiter spricht zwar nicht besonders gut deutsch, aber er versieht seine Erklärungen mit netten Vergleichen und kleinen Späßen, insbesondere bei der Beschreibung der erotischen Skulpturen. Weniger angenehm ist der Händlerschwarm, der zum Glück nicht in das Parkgelände darf, in dem die Tempel stehen.
Am Abend bricht ein kurzes, aber heftiges Gewitter los. Eine öffentliche Tanzaufführung wird dadurch wohl ziemlich schnell unterbrochen. Wir hatten uns glücklicherweise für die Bar entschieden, wo sich auch ein ARD-Filmteam einfindet. Sie drehen in Khajuraho einen Teil eines Filmes über den Hinduismus. Dieser ist wiederum Teil einer Serie über die großen Weltreligionen, die in etwa 1,5 Jahren gezeigt werden soll.

Khajuraho
Weißer Tempel, der Hinduismus, Buddhismus und Islam repräsentiert
Khajuraho
Tempelkomplex mit blühendem Gebüsch im Vordergrund
Khajuraho
Lakshmana Tempel
Khajuraho
Nische mit dem Elefantengott Ganesha
Khajuraho
Im Stehen kopulierendes Paar
Khajuraho
Auffahrunfall einer Elefantenkolonne
Khajuraho
Kandariya Mahadeva Tempel

Khajuraho
Symbolisierter Balkon mit Lehrer und Schülern
Khajuraho
Einer der alten Tempel
Khajuraho
Chitragupta Tempel

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